Zweiter "BF-Tag" im Veischedetal war wieder ein voller Erfolg
Am vergangenen Samstag, 16.09.2006 trafen sich 17 Jugendfeuerwehrkameraden aus dem Lennestädter Löschzug II zum Dienst beim zweiten "Berufsfeuerwehrtag" - kurz "BF-Tag" - im Grevenbrücker Feuerwehrgerätehaus. Aufgrund der großen Begeisterung nach dem ersten "BF-Tag", der bereits im Jahr ´2004 stattfand, stand für alle Beteiligten schnell fest, das eine Wiederholung des simulierten 24-Stunden Dienstes auf jedem Fall stattfinden musste.
Am Freitagabend hatte der mehrwöchige Planungs- und Organisationsmarathon des sechsköpfigen Teams der Jugendfeuerwehrwarte endlich ein Ende, so daß es am Samstagmorgen um kurz nach 08:00 Uhr endlich wieder hieß "Wachabteilung zur Diensteinteilung in der Fahrzeughalle angetreten".
Nachdem sich kurze Zeit später alle der 10 bis 17-jährigen "Jung-Berufsfeuerwehrleute" aus den Löschgruppen Bilstein und Grevenbrück in der Fahrzeughalle eingefunden hatten, wurde von den Jugendfeuerwehrwarten bzw. nun "Wachen- und Wachabteilungsleitern", der Tagesablauf mit Arbeits- und Bereitschaftszeiten, Wachunterrichte, Dienstsport usw. verlesen und die in Reihe angetretene Mannschaft auf die Fahrzeuge eingeteilt.
Je 7-8 Jugendliche (zzgl. 1-2 aktiver Kameraden) besetzen je eines der zwei zur Verfügung stehenden Löschgruppenfahrzeuge. Zwei weitere Jugendliche (zzgl. einem aktiven Kameraden) besetzten in "Springerbesatzung" ein Sonderfahrzeug, das je nach Lage ein Tanklöschfahrzeug, ein Gerätewagen-Gefahrgut oder ein Einsatzleitwagen sein konnte.
Die erste LF-Besatzung wurde schließlich noch für die Vor- und Nachbereitung des Frühstücks um 09:00 Uhr eingeteilt; die zweite LF-Besatzung übernahm die Vor- und Nachbereitung des Mittagessens um 12:30 Uhr.
Doch was ist schon eine Berufsfeuerwehr ohne Einsätze - die an diesem Tage allesamt von den Jugendwarten bzw. aktiven Kameraden simuliert wurden. Los ging es in diesem Jahr bereits um 08:47 Uhr:
"Einsatz für Gruppe 2 und Sonderfahrzeug - Unklarer Gasgeruch auf der Ladestraße" hallte es aus der ELA-Anlage. Die Gruppe des zweiten Löschfahrzeug (LF) und der Trupp des Gerätewagen-Gefahrgut (GW-G) machten sich auf den Weg zur Einsatzstelle. Vor Ort angekommen, wurde typischer Gasgeruch wahrgenommen (wurde von den Aktiven durch Orodiergeruchsstoff von Erdgas dargestellt). Ein Trupp ging mit Ex-Warngerät und Prüfröhrchen zur Erkundung vor, gleichzeitig wurde sicherheitshalber ein Löschangriff aufgebaut und die Einsatzstelle abgesichert. Die Lage war schließlich schnell im Griff. Einrücken zur Wache und Frühstück!
09:32 Uhr, dann Anruf auf der "Wache", es brennt ein PKW bei einem Unternehmen für Altfahrzeugentwertung.
"Einsatz für Gruppe 1 - PKW-Brand, Thetener Straße". Das LF der ersten Gruppe war schnell vom Hof und in der "Wache" kehrte wieder etwas Ruhe ein. Die erste Gruppe konnte den aus dem Motorraum qualmenden PKW (dargestellt durch eine Nebelmaschine) schnell mittels eines C-Rohres ablöschen. Nach wenigen Minuten wurde "Feuer aus" gemeldet.
Zurück auf der "Wache", ging es dann ersteinmal ans Aufräumen des Frühstückstisches. Danach stand theoretischer Wachunterricht zum Thema "Gefahren an der Einsatzstelle" auf dem Programm. Gegen 10:30 Uhr unterbrach dann der Feuergong den Unterricht. Erleichternder Rufe der jungen Meute "na´ endlich Alarm".
"Einsatz Löschzug - Gruppe 1, Gruppe 2, Sonderfahrzeug - vermutlich Zimmerbrand, Kölner Str.". Alle waren schnell auf den Fahrzeugen, die ersten Trupps rüsteten sich bereits in den Fahrzeugen mit Atemschutzgeräten (alte originale Trageplatten mit gelb, angestrichenen Kunststoffrohren als Flaschennachbildung) aus, schließlich hieß es "Feuer", da musste es schnell gehen, waren sich alle einig!
Vor Ort dann zunächst eine schockierende Feststellung - im Flur des Abbruchhauses lodern tatsächlich echte Flammen! Leichte Hektik kommt auf, die aber schnell wieder verfliegt. Schläuche werden verlegt, "1. Rohr Wasser marsch!" Der Wasserstrahl, der von Aussen in den Flur fegt, erlischt das Feuer binnen Sekunden.
Der Weg ist frei ins Treppenhaus. Der Angriffstrupp geht ins erste Obergeschoss vor und rettet eine Person (Stoffpuppe) in Freie. Kaum ist der Trupp wieder draußen lodern erneut Flammen im Flur auf, weitere Trupps kommen zum Löscheinsatz bis das Feuer (dargestellt durch eine gasbefeuerte, per Kabelfernbedienung ständig überwachte Übungsanlage ohne Rauchentwicklung) entgültig aus ist. Die Aufräumarbeiten beginnen, gegen 11:15 Uhr ist der Löschzug wieder einsatzbereit an der Wache.
Die Vorbereitungen für das Mittagessen beginnen. Das Wasser für die Nudeln kommt auf den Herd - Platte an.
Alarmgong 11:49 Uhr: "Einsatz Gruppe 2 - Hilflose Person hinter verschlossener Wohnungstür" - Platte wieder aus - so kann´s gehen. Die Mannschaft nimmt es mit Humor. "Was kommt jetzt auf uns zu?"
Das Abruchhaus an der Kölner Straße kennt die Gruppe schon - die Etage noch nicht. Der Gruppenführer teilt die Mannschaft ein. Gruppe mit Werkzeugkasten, Brechwerkzeug, Feuerwehraxt, Krankentrage und Notfallkoffer vor. Die verschlossene Tür ist schnell erkundet; leichte wimmerlaute hinter der Tür - hier muss es sein!
Mit dem Kleinwerkzeug geht es zu langsam weiter; die Tür gibt ihr Geheimnis noch nicht frei. Kurzerhand wird größeres Gerät eingesetzt. Feuerwehraxt vor - nach wenigen Schlägen gibt das Holz der Tür nach, ein Teil bricht heraus. Das muss zunächst reichen! Mit Notfallkoffer geht´s durch das Türblatt - Person mit Kopfverletzung aufgefunden, so die Meldung an die restliche Mannschaft, die vor der Tür wartet. Erste Hilfe Maßnahmen werden eingeleitet, ein Kopfverband angelegt. Mittlerweile ist auch die Tür komplett geöffnet und kann mit der Krankentrage passiert werden. Die Person wird nach Draußen getragen - Einsatzende!
Doch nicht nur die Gruppe 2 war kurz vor dem Mittagessen noch fleißig. Um 12:10 Uhr rückte auch der Rest der Wache aus.
"Einsatz Gruppe 1 und Sonderfahrzeug - eingeklemmte Person unter landwirtschaftlichen Gerät". Auf einem Bauernhof in der Grevenbrücker Petmecke war ein Bauer (Stoffpuppe) unter eine Wiesenschleppe geraten und eingeklemmt worden. Das Einsatzteam unterbaute die Wiesenschleppe zunächst mit Holz und setzte dann zwei Büffelwinden ein, um die eingeklemmte Person zu befreien. Nach wenigen Minuten konnte der verletzte Bauer an den Rettungsdienst übergeben werden. Nach den Aufräumarbeiten gab es mit leichter Verspätung das verdiente gemeinsame Mittagessen aller Gruppen.
Es schloss sich eine - einsatzfreie - Mittagsruhepause zur freien Verfügung an. Der nächste Einsatz folgte dann schließlich um 14:13 Uhr.
"Einsatz Gruppe 1, Gruppe 2 und Sonderfahrzeug - Kellerbrand an der Grevenbrücker Grundschule" Vor Ort angekommen konnte dann aber zunächst nichts festgestellt werden. Die gesamte Mannschaft verteilte sich in mehreren Trupps schließlich auf dem weitläufigen Schulgelände, um einen möglichen Kellerbrand zu erkunden.
Nach einiger Zeit stand dann fest - vermutlich böswilliger Alarm durch spielende Kinder auf dem Schulhof. Die gesamte Mannschaft rückte wieder unverrichteter Dinge ein. Doch mit der Ruhe war es schnell wieder vorbei.
"Einsatz Gruppe 1, Gruppe 2 und Sonderfahrzeug - Brandeinsatz im Steinbruch der Kalkwerke". Schon auf der Anfahrt in der mondähnlichen Landschaft, konnte eine starke Rauchentwicklung ausgemacht werden. Kurze Zeit später erkannte man auch starken Feuerschein. Eine alte Holzhütte (dargestellt durch mehrere alte Holzpaletten) stand lichterloh in Flammen.
Eine Löschfahrzeugbesatzung baute einen umfassenden Löschangriff mit drei C-Rohren auf, die Mannschaft des zweiten LF verlegte eine mehrere hundert Meter lange Schlauchleitung von einer geeigneten Wasserentnahmestelle zum Brandherd. Mit vereinten Kräften und reichlich Löschwasser war der Brand schließlich nach rund 20 Minuten vollständig abgelöscht. Zeitaufwendige Aufräumarbeiten schlossen sich an.
Am späten Nachmittag konnte dann wieder geschlossen "Wache ein" gemeldet werden. Nach einer umfassenden Reinigung der Stiefel, gab es endlich Zeit für eine kleine Pause. Es gab Kakao, Kaffee, Kuchen und Plätzchen.
Da vom Einsatz im Steinbruch noch mehrere Fahrzeuge und Geräte gereinigt werden mussten, entschloss man sich den für den späten Nachmittag geplanten Dienstsport ausfallen zu lassen. Die gesamte Wachabteilung machte sich stattdessen daran mit Hochdruckreiniger und Waschbürsten die Fahrzeuge von Sand, Staub und Matsch zu befreien und wieder auf Vordermann zu bringen. Nach der Reinigungsaktion begann die abendliche Bereitschaftszeit zur freien Verfügung.
Um 18:00 Uhr war schließlich ein gemeinsamer Übungsdienst mit den aktiven Feuerwehrkameraden der Löschgruppen aus Bilstein und Grevenbrück geplant. Die "Jugendfeuerwehr-Wachabteilung" verteilte sich zum Übungsbeginn mit den aktiven Kameraden auf den Fahrzeugen, als plötzlich die Funkmeldeempfänger der Aktiven anschlugen.
Die Kreisleitstelle in Olpe meldete einen Dachstuhlbrand am alten Postgebäude in Grevenbrück. Keiner unserer kleinen "Berufsfeuerwehrleute" ahnte auch nur, daß es sich um eine vorgeplante Alarmübung handelte. Die meisten gingen von einem Realeinsatz der Wehr aus, als die Fahrzeuge mit Blaulicht und Martinhorn ausrückten (alle anderen Übungen der Berufsfeuerwehrtages wurden selbstverständlich ohne Sondersignal gefahren).
Selbst am gemeldeten "Einsatz-" bzw. Übungsobjekt herrschte noch große Unsicherheit, als plötzlich wie aus dem nichts noch die Drehleiter der Meggener Feuerwehr anrückte. "Brennt es hier wirklich?" - war die meistgestellte Frage, nachdem eine leichte Rauchentwicklung aus dem Dachgeschoss entdeckt wurde.
Gemeinsam mit den "Großen" arbeiteten die "Kleinen" nahezu genauso gekonnt die Übungslage ab. Schläuche ausrollen, Menschenrettung, Drehleiter in Stellung bringen usw. Nach rund einer Stunde konnte "Feuer aus" gemeldet werden. Insgesamt waren fünf Personen aus dem Dachgeschoss gerettet und erstversorgt worden. Die "geheime" Gemeinschaftsalarmübung verlief reibungslos.
Nach der Übung wurde am Abend noch zusammen mit den aktiven Kameraden gegrillt. Die abendliche Bereitschaftszeit verbrachte man schließlich mit Gesellschaftsspielen und einem DVD-Film. Um 21:52 Uhr klingelte es plötzlich wieder.
"Einsatz Gruppe 2 und Sonderfahrzeug - Person im Waldgebiet unter Holzstämmen eingeklemmt". Die Besatzung des zweiten LF und des ELW machten sich auf den Weg ins Waldgebiet Schartenberg. Die vorgefundene Person (Stoffpuppe) war wohl auf den Baustämmen herumgeklettert, die so ins Rutschen kamen und schließlich die Person begraben hatten. Unsere zweite Wachmannschaft hatte die Einsatzstelle zügig ausgeleuchtet und die Person schonend befreit. Einsatzende!
Zwischenzeitlich war auch die noch auf der Wache verbliebene erste Gruppe alarmiert worden.
22:02 Uhr: "Einsatz Gruppe 1 - Tier in Notlage im Bilsteiner Park". Die erste LF Besatzung fand eine eingeklemmte Katze (Stoffkatze eingeklemmt in selbstgebauten Holzlattengerüst) in einem Rechen eines Kanaleinlaufs vor. Die Mannschaft leuchtete die Einsatzstelle weiträumig aus und befreite das Tier schließlich mit einer Säge. Die Katze blieb unverletzt.
Nach Rückkehr von den letzten zwei Einsatzstellen begann die Nachtruhe. Wie schon beim "BF-Tag 2004" quälte aber viele die Frage "Müssen wir heute Nacht wohl auch noch einmal raus?" Wer konnte es schon ahnen? Aber wie sollte es auch anders kommen. In der Nacht folgte das, was in vielen echten Berufsfeuerwehrwachen auch leider häufig gerade in den Nachtstunden an der Tagesordnung ist - ein Brandstifter geht um und steckt Mülltonnen in Brand.
01:55 Uhr: "Einsatz Gruppe 2 - brennt Mülltonne, Grevenbrück Industriestraße". Das zweite LF rückt aus, trifft ein und leitet erste Löschmaßnahmen ein. Zeitgleich auf der Wache - Gong!
02:02 Uhr: "Einsatz Gruppe 1 und Sonderfahrzeug - brennt weiterer Müllcontainer, Grevenbrück Industriestraße". Das erste LF und das TLF rücken ebenfalls aus. Vor Ort standen sie schließlich in Sichtweite auseinander und löschten die Müllbehälter. Gegen 02:20 Uhr sind alle wieder auf der "Wache" - nur einer nicht - der Brandstifter!
Gong! 02:21 Uhr: "Einsatz Gruppe 2 und Sonderfahrzeug - brennt erneut Müllcontainer, Grevenbrück Industriestraße". Zweites LF und TLF raus, der Rest ist bekannt. Vor Ort brennen wieder mehrere Tonnen. Also - ein Fall für Verstärkung!
Gong der Vierte: 02:26 Uhr: "Einsatz Gruppe 1 - zur Unterstützung der Gruppe 2, brennen mehrere Mülltonnen nach Brandstiftung". Was folgte dürfte jedem klar sein. Um kurz vor drei Uhr war dann wieder Nachtruhe. Es sollte auch der letzte Einsatz für die Jugendfeuerwehr-Wachabteilung ´2006 gewesen sein.
Am nächsten Morgen um 07:00 Uhr dann der obligatorische Weckruf! Danach gemeinsames Frühstück - Aufräumen der Wache - der verdiente Feierabend. Es wird sicherlich nicht der letzte BF-Tag gewesen sein.
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