Pressebericht der "Westfälischen Rundschau (WR)" zum Einsatz vom 29.05.2001 / 12:07 Uhr
Feuersbrunst bei "Sita": "Riesenglück gehabt"
<WR> Maumke. "Da haben wir nochmal Riesenglück gehabt", atmete ein Wehrmann kräftig durch, als Lennestadts Polizeichef Albrecht Sandholz punkt 13.46 die Order an seine Kollegen ausgab: "Straße frei!"
Gut eine Stunde zuvor noch zogen gestern Mittag dunkle Rauchschwaden durch das Maumker Lennetal, nachdem beim Müllentsorger "Sita" ein Großbrand ausgebrochen war. In einem Bunker der Behandlungsanlage für "besonders überwachungbedürftige Abfälle" hatten sich kurz nach 12 Uhr offensichtlich Farb- und Lackschlämme selbst entzündet. Was folgte, war ein Einsatz von Rettungskräften, wie ihn Lennestadt noch nicht erlebt hat. Als die Löschgruppen aus Maumke und Meggen eintrafen, erkannte man sofort die Brisanz der Situation, so Stadtbrandmeister Stachelscheid gestern vor Ort in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Sofort wurden die Löschzüge I, II und III alarmiert, der Löschzug IV in Alarmbereitschaft versetzt. Weil man extrem viel Wasser benötigte, beorderte die Einsatzleitung auch noch das Tankfahrzeug aus Kirchhundem herbei, die Atemschutzkräfte wurden noch von der Attendorner Feuerwehr unterstützt. Alles in allem waren 128 Wehrleute, darunter 35 mit schwerem Atemschutz, mit 28 Fahrzeugen am Brandherd. Um 13.12 Uhr war das Feuer unter Kontrolle.
Großeinsatz auch für die Polizei: Mit zehn Wagen aus dem Kreis Olpe wurde der Raum Maumke großräumig abgeriegelt. Sogar acht Streifenwagen aus dem ganzen Regierungsbezirk Arnsberg rasten nach Lennestadt. Fast zwei Stunden war die Bundesstraße 236 zwischen Meggen und Grevenbrück komplett für den Verkehr gesperrt. Während des gleichen Zeitraums durften auch auf der Ruhr-Sieg-Strecke keine Züge mehr passieren.
Gefahr durch giftige Dämpfe habe für die Bevölkerung nicht bestanden, erklärte Stachelscheid. Der nach Lennestadt beorderte Messwagen aus Olpe führte Messungen am Maumker Berg und am Siciliaschacht durch - ohne Ergebnis. Gleichwohl wurden in den ersten Minuten nach Ausbruch des Feuers die Bewohner in den umliegenden Straßen gebeten, Fenster und Türen zu schließen. Selbst im Meggener Schulzentrum durften die Kinder und Jugendlichen vorübergehend ihre Klassenräume nicht verlassen. Sogar eine Warnmeldung über Rundfunk sei zwischenzeitlich erwogen worden, so Sandholz.
Am Ende jedenfalls konnten alle Beteiligten aufatmen. Es gab keine Verletzten, registrierte Manfred Stachelscheid erleichtert. Über die Höhe des Sachschadens vermochte "Sita"-Geschäftsführer Dworaczek gestern noch keine Angaben machen. Agenturmeldungen, in denen gestern von 100 000 DM Schaden die Rede war, bezeichnete er als "frei erfunden".
Von Jürgen Blechinger
Presseberichte der "Westfalenpost (WP)" zum Einsatz vom 29.05.2001 / 12:07 Uhr
Keine akute Gefahr
für Lennestädter Bürger -
Großbrand im Sondermülllager der Fa. Sita in Maumke
Von Werner Riedel (Bericht
der Westfalenpost vom 29.05.2001)
Maumke. (WP) Der letzte Großbrand in der Sondermüll-Behandlungsanlage der Fa. Sita (ehem. Scheele) in Maumke liegt genau 8 Jahre zurück. Danach wurde gemeinsam mit den Ordnungsbehörden und den Fachleuten der Feuerwehr ein spezielles Brandschutzkonzept ausgearbeitet, einmal im Jahr sind die Floriansjünger zu einer Übung im Betrieb.
Sicherlich auch ein Grund für den reibungslosen Einsatz gestern Mittag vor Ort. Um 12:07 Uhr hatten Mitarbeiter des Unternehmens in dem Hallenbereich, in dem ölbeschmutzte bzw. Farb- und Lackschlämme wechselweise weiter verarbeitet werden, das Feuer bemerkt. In dem Bunker war es offensichtlich zu einer Selbstentzündung gekommen. Niederlassungsleiter Frank Dworaczek: "Unser Problem besteht darin, dass manchmal unsere Kunden ihre Abfälle falsch deklarieren. Doch das ist erst zu sehen, wenn die Sachen bereits im Bunker liegen."
Die Kripo hat ihre Ermittlungen aufgenommen und die Brandstelle erst einmal abgesperrt. Aus diesem Grunde kann die Firma derzeit auch noch keine Aussage über das Ausmaß des Schadens treffen. Dworaczek: "Die Summe könnte sich aber im siebenstelligen Bereich bewegen."
Die firmeneigenen Atemschutz-Träger schafften es jedenfalls nicht, das Feuer unter Kontrolle zu bekommen. Die nach dem Brand 1993 installierte Löschanlage funktionierte zwar, war aber dem gestrigen Flammen offensichtlich nicht gewachsen. Automatisch wurden daneben die Löschgruppen aus Maumke und Meggen über die Brandmeldezentrale alarmiert. Diese forderten nach einem ersten Überblick schnell Verstärkung an - Vollalarm per Sirene wurde für die Lennestädter Löschzüge I, II und III ausgelöst, hinzu kamen die Tanklöschfahrzeuge aus Kirchhundem, der Messzug der Feuerwehr Olpe sowie die Atemschutzgeräteträger aus Attendorn. Insgesamt waren 128 Feuerwehrleute mit 28 Fahrzeugen im Einsatz.
Ein Staplerfahrer der Firma schaffte es, aus einer angrenzenden Halle dutzende Container mit leicht brennbaren Lösungsmitteln zu bergen. Die Brandschutzmauer zwischen Brandherd und mittelbarer Gefahrenzone leistete ganze Arbeit. Doch als Stücke der brennenden Dacheindeckung auch in diesem Bereich fielen, musste die Bergung der brandgefährlichen Stoffe zeitweise unterbrochen werden. Ein Feuerwehrmann unter schwerem Atemschutz holte schließlich die gefährlichsten Behälter per Gabelstapler aus der Halle.
Um das nötige Löschwasser herbeizuschaffen, wurden unter anderem drei Pumpen an der benachbarten Lenne installiert, die Schläuche unter den Gleisen der Ruhr-Sieg-Strecke hergezogen. Die Bahnstrecke wie die ebenfalls benachbarte Bundesstraße 236 waren während der Löscharbeiten rund eine Stunde komplett gesperrt.
Und auch die Polizei war in durchschlagskräftiger Besetzung vor Ort: Mit 10 Streifenwagen aus dem Kreisgebiet, dazu kamen 8 Fahrzeuge der Bezirksreserve aus HSK, SI und MK. Und selbst Hubschrauber "Hummel" kreiste über dem Unglücksort. Per Lautsprecher wurde die Bevölkerung gebeten, die Fenster in ihren Wohnungen zu schließen, doch nach den ersten Messungen konnte schnell Entwarnung gegeben werden. Zudem wurden Maumke und Meggen durch kräftige Winde, die die pechschwarzen Rauchwolken aus dem Lennetal vertrieben, vor größeren Beeinträchtigungen verschont.
Selbstzündung ist
Ursache für Brand
(Bericht der Westfalenpost vom 30.05.2001)
Maumke. (bw) Nach eingehenden Untersuchungen sehen die Ermittlungebeamten der Olper Kriminalpolizei die anfänglichen Vermutungen bestätigt: Der Brand in der Sondermüll-Behandlungsanlage der Entsorgungsfirma "Sita" in Maumke ist offensichtlich auf eine Selbstentzündung von Altlacken- und Farben im Stoffbunker zurückzuführen. Technische Defekte der Anlage seien auszuschließen, so die Kripo.
Die Untersuchungen haben danach ergeben,
dass niemandem nach dem Brand ein strafrechtlicher Vorwurf zu machen sei. Welche
Stoffe für die Selbstentzündung sorgten, ist allerdings nicht mehr
nachvollziehbar. Die vorhandene betriebseigene Löschanlage sei der chemischen
Reaktion offensichtlich nicht gewachsen gewesen. Das Entsorgungsunternehmen
erwäge jetzt - über das Maß der behördlichen Auflagen hinaus
- weitere Sicherheitsschritte, um sich vor künftigen derartigen Unfällen
noch besser schützen zu können.