Einsatz für die Feuerwehr - was passiert eigentlich bei einem Alarm ???
Einsatz für die Feuerwehr und Rettungsdienst am Beispiel eines (fiktiven) Verkehrsunfalls. Die roten Zeitangaben am linken Rand geben die vergangene Zeit [Minute:Sekunde] seit dem Unfallgeschehen an. Alle unten aufgeführten Zeiten verstehen sich selbstverständlich als ungefähre Angaben. Im Einsatzfall sind die realen Zeiten von Einsatzlage, -ort und -ablauf abhängig !!!
Das Unfallgeschehen
[00:00]
Ein Unfall ist passiert. Zwei
PKW sind zusammengestoßen. Beim Aufprall wurde ein PKW-Fahrer in seinem
Fahrzeug eingeklemmt. Insgesamt sind drei Personen verletzt. Aus den verunfallten
Kraftfahrzeugen läuft Öl und Benzin aus.
Unfallmeldung - Notruf 112
[00:10]
Ein Passant, der den Unfall
beobachtet hat eilt zur Hilfe. Er verschafft sich zunächst einen Überblick
und setzt dann den Notruf ab, da schon mehrere andere Verkehrsteilnehmer vor
Ort sind und sich um die Verletzten kümmern.
Der Passant wählt aus einer nahegelegenen Telefonzelle die (kostenlose) Notrufnummer 112.
[01:00]
Am anderen Ende meldet sich ein Disponent der Kreisrettungsleitstelle in Olpe.
Der Passant meldet sich mit seinem Namen und berichtet dem Leitstellendisponenten:
WAS passiert ist ...
WO der Unfall passiert ist ...
WIEVIELE Personen beteiligt / verletzt sind ...
WELCHE Verletzungen augenscheinlich vorliegen ...
und er ...
WARTET auf eventuelle Rückfragen vom Leitstellendisponenten !
Der Anruf könnte beispielsweise folgendermaßen ablaufen:
[Leitstelle] "Notruf für Feuerwehr und Rettungsdienst, guten Tag..."
[Anrufer] "...Guten Tag, mein Name ist Karl Mustermann..."
[Leitstelle] "...Herr Mustermann, was ist passiert ?..."
[Anrufer] "...Hier sind zwei Autos zusammengestoßen !..."
[Leitstelle] "...Wo ist die Unfallstelle genau ?..."
[Anrufer] "...Der Unfall ist auf der Kölner Straße in Grevenbrück, etwa in der Höhe des Abzweigs zur Dr.-Paul-Müller-Straße !..."
[Leitstelle] "...Sind Personen verletzt ?..."
[Anrufer] "... Ja, soweit ich überblicken konnte sind drei Personen verletzt !..."
[Leitstelle] " ...Können Sie schon sagen was für Verletzungen die beteiligten Personen haben ?..."
[Anrufer] "...Ja, eine Person, die noch im Auto sitzt hat eine große Platzwunde am Kopf, die Person ist nicht ansprechbar. Die zweite Person liegt am Straßenrand und klagt über starke Schmerzen im rechten Bein, die dritte Person scheint einen Schock zu haben, sie ist ziemlich verstört und läuft planlos umher !..."
[Leitstelle] "...Herr Mustermann ich habe Sie soweit verstanden. Eine Rückfrage habe ich jedoch noch an Sie. Können Sie die Person, die noch im Auto sitzt, aus dem Auto holen oder kommen Sie nicht an die Person heran ?..."
[Anrufer] "...Das schaffe ich nicht, weil die Person anscheinend im Fußbereich eingeklemmt ist. Die Fahrzeugtüren lassen sich auch nicht öffnen !..."
[Leitstelle] "...Ich habe alles verstanden ! Verbleiben Sie nun am Unfallort und helfen Sie den Verletzten. Ich werde sofort den Rettungsdienst und die Feuerwehr losschicken. Sie können nun auflegen !"
Anhand des Anrufbeispiels kann man erkennen, das die Leitstelle eine Reihe von Informationen benötigt. Das Wichtigste ist jedoch, das der Anrufer nicht einfach auflegt, wenn er meint alles erzählt zu haben, sondern mögliche Rückfragen des Leitstellenpersonals abwartet. Die Leitstelle wird das Gespräch beenden, wenn alle Fragen geklärt sind.
Die Bearbeitung des Einsatzes in der Kreisleitstelle in Olpe
[02:00]
Das Leitstellenpersonal verarbeitet alle angegebenen Informationen mit Hilfe
des Leitstellenrechners. Dieser Computer schlägt dem Disponenten daraufhin
einen sogenannten Alarmvorschlag vor. Für das obengenannte Beispiel würde
z.B. zunächst die Alarmierung der folgenden Einsatzkräfte vorgeschlagen:
- Drei Rettungswagen (RTW) mit den jeweiligen Besatzungen (von den Rettungswachen des Kreises Olpe)
- Ein bzw. zwei Notarzt / Notärzte des Lennestädter Krankenhauses
- das Notarzteinsatzfahrzeug Lennestadt (NEF) mit der jeweiligen Besatzung
- die gesamte (örtliche) Feuerwehr Grevenbrück und zusätzlich
- den Rüstwagen (RW1) der Meggener Feuerwehr.
Der
Leitstellendisponent kann den Alarmvorschlag wie angegeben annehmen bzw. um
weitere Kräfte nach eigenem Ermessen erweitern. Nachdem das passiert ist,
löst der Einsatzleitrechner automatisch den Alarm für die angegebenen
Einsatzkräfte aus. Der Disponent gibt unmittelbar nach der Alarmierung
eine erste, kurze Alarmmeldung ab, die die Einsatzkräfte auf Ihren Funkmeldeempfängern
(Piepsern) hören können. Diese könnte für das oben angenommene
Beispiel z.B. lauten:
[02:30]
"Achtung hier ist die Leitstelle Olpe: Einsatz für Rettungsdienst
und Feuerwehr, Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person; mehrere Verletzte in
Grevenbrück Kölner Straße ! Hier Leitstelle Olpe Ende !"
Alarmierung und Ausrücken
Nach der Alarmauslösung durch die Leitstelle schlagen (bei den im Alarmvorschlag angegebenen Einsatzkräften) die Funkmeldeempfänger (Piepser) mit einem Weckton an. Danach ist die oben angeführte Alarmmeldung zu hören. Bei größeren Ereignissen ist auch noch die Alarmauslösung der Feuerwehr über die örtlichen Sirenen möglich, so daß alle Kameraden informiert werden, auch diejenigen die keine Funkmeldeempfänger tragen.
Die hauptamtlichen Kräfte des Rettungsdienstes (samt Notärzte) erhalten bei der Alarmierung zusätzlich ein sogenanntes Alarmfax von der Leitstelle. Auf diesem stehen alle Daten, die für den Einsatz erforderlich sind. U.a. steht z.B. auf dem Fax die genaue Adresse des Einsatzortes, ein Stichwort was passiert ist, Einsatzkoordinaten für Kartenmaterial damit der Einsatzort leicht gefunden werden kann und eine Information über die mitalarmierten, weiteren Kräfte z.B. Feuerwehr. Sobald das Fax angekommen ist (wenige Sekunden nach der Alarmierung) rücken die Fahrzeuge des Rettungsdienstes aus.
[03:00]

Die freiwilligen Kräfte der Feuerwehr fahren bei einem Alarm zunächst
mit Ihren privaten Fahrzeugen zum Feuerwehr-Gerätehaus. Durch Absprache
mit Ihren Arbeitgebern können die meisten Feuerwehrkräfte bei einem
Alarm auch Ihren Arbeitsplatz verlassen. Die dadurch entstehenden Lohnausfallkosten
der Kameraden werden durch die Stadt Lennestadt getragen.
[05:00]
Die am Gerätehaus eintreffenden
Kräfte ziehen sich zunächst Ihre Einsatzkleidung an. Während
auf weitere Kameraden gewartet wird, werden die Tore der Fahrzeughallen geöffnet.
Ein Kamerad erkundigt sich über Funk bei der Leitstelle über den Grund
der Alarmierung und den genauen Einsatzort. Sobald das erste Einsatzfahrzeug
voll besetzt ist, rückt es zur Einsatzstelle aus (i.d. Regel ca. 3-5 Minuten
nach der Alarmierung). Später eintreffende Kameraden am Gerätehaus
rücken mit weiteren Fahrzeugen nach.
[05:30]

Je nach Alarmierungsmeldung und Einsatzart rücken nur bestimmte bzw. einzelne Fahrzeuge aus, z.B. wenn eine Nachbarlöschgruppe ein spezielles Fahrzeug nachfordert. Wenn mehrere Fahrzeuge ausrücken, wird eine bestimmte "Alarm- und Ausrückeordnung" (AAO) beachtet. So rücken z.B. bei einem Brandeinsatz andere Fahrzeuge bzw. die Fahrzeuge in einer anderen Reihenfolge aus, als bei einem Alarm wo z.B. ein drohendes Hochwasser bekämpft werden muß. In Ausnahmefällen entscheidet der Einsatzleiter welches / welche Fahrzeug(e) ausrücken und in welcher Reihenfolge.
Anfahrt, Eintreffen und Ablauf am Einsatzort
Sowohl Feuerwehr als auch der Rettungsdienst werden für einen dringlichen Einsatz, wie der oben beschriebene Verkehrsunfall mit Sonderrechten anrücken (d.h. mit Blaulicht und Martinhorn). Manchmal gibt es jedoch auch Einsatzlagen, die keiner großen Eile bedürfen. In diesem Falle rücken die Fahrzeuge ohne Sonderrechte an. Beispiele dafür sind z.B. ein Krankentransport beim Rettungsdienst oder die Beseitigung eines Baumes, der z.B. auf die Straße zu fallen droht, die aber bereits durch die Polizei abgesichert ist.
[06:30]
Die ersten Fahrzeuge der Feuerwehr und des Rettungsdienstes treffen an der Einsatzstelle
ein.
Die ersteintreffende Fahrzeugbesatzung bzw. der ersteintreffende Einsatzleiter am Einsatzort wird zunächst eine Erkundung des Einsatzortes vornehmen. Daraus resultierend ist eine erste Rückmeldung an die Leitstelle. Mit der abgegebenen Rückmeldung kann z.B. die Nachforderung bzw. Abbestellung von weiteren Einsatzkräften erfolgen.
[07:00]
Je nach Einsatzlage beginnen daraufhin die Arbeiten an der Einsatzstelle. Bei
dem angenommenen Verkehrsunfall beginnt der Rettungsdienst mit der Versorgung
der Verletzten. Die Feuerwehr wird die Befreiung der eingeklemmten Person mittels
technischem Gerät (z.B. hydraulische Schere und Spreizer) vorbereiten.
Noch freie Kräfte werden den Brandschutz an der Unfallstelle sicherstellen
und die Batterien an den Unfallfahrzeugen abklemmen (Vermeidung von Zündquellen).
Weitere Einsatzkräfte werden mit der Bekämpfung des auslaufenden Kraftstoffs
beginnen. Der Einsatz wird so nach und nach von den eingesetzten Kräften
abgearbeitet. Zwischenzeitlich werden immer wieder Rückmeldungen an die
Leitstelle gegeben. Diese veranlaßt dann je nach Lage weitere notwendige
Maßnahmen, wie z.B. Voranmeldung der Verletzten Personen in den Krankenhäusern,
Information der Polizei, Information bzw. Bestellung von Fachkräften oder
Behörden (als Beispiel die untere Wasserbehörde) oder die Nachforderung
von weiteren Kräften (z.B. Rettungshubschrauber (RTH)).
Einsatzende
[xx:xx]
Je nach Lage ...
Nachdem der Einsatz komplett
"abgearbeitet" ist, rücken die Kräfte der Feuerwehr wieder
zum Standort ein. Am Gerätehaus angekommen, sind meistens noch kleinere
Arbeiten wie z.B. das Auffüllen der Fahrzeuge mit Material (Ölbindemittel,
Befüllen von Tanks der Notstromaggregate) oder die Reinigung von Gerätschaften
notwendig.

Desweiteren wird nun auch ein Einsatzbericht vom Einsatzleiter geschrieben. Dieser wird an die Stadtverwaltung Lennestadt eingereicht. Er enthält z.B. Angaben über Art des Einsatzes, Einsatzzeiten (die von der Leitstelle dokumentiert werden), eingesetzte Mannschaftsstärke, Angaben über Lohnausfall von Kameraden die den Arbeitsplatz verlassen haben, evtl. beschädigtes oder verbrauchtes Material, welches ersatzbeschafft werden muß usw. Erst wenn alle Arbeiten erledigt sind, wird der Einsatz als beendet angesehen.